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Was ist sexualisierte Gewalt?

Wir möchten Ihnen an dieser Stelle den Begriff 'sexualisierte Gewalt' umfassend erklären und von anderen Begriffen abgrenzen.

Häufig werden aber auch unterschiedliche Begriffe verwendet, um einen Sachverhalt zu beschreiben. 

Was ist sexualisierte Gewalt?

Der Begriff sexualisierte Gewalt macht deutlich, dass es sich in erster Linie um eine Gewalttat handelt, die mittels sexueller Handlungen ihren Ausdruck findet. Das gilt auch, wenn nicht immer physische Gewalt angewendet wird und selten körperliche Spuren zu sehen sind.

Es handelt sich dabei um alle sexuellen Handlungen, die an oder vor einem Kind/ Jugendlichen gegen deren Willen vorgenommen werden oder denen sie aufgrund ihrer körperlichen, seelischen, geistigen oder sprachlichen Unterlegenheit nicht wissentlich zustimmen können.[1]

Bei unter 14-Jährigen ist grundsätzlich davon auszugehen, dass sie sexuellen Handlungen nicht zustimmen können. Dies ist immer als sexuelle Gewalt zu werten, selbst wenn das Kind vermeintlich damit einverstanden wäre.

 

Quellen

[1] Die Unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen (UBSKM): Zahlen und Fakten

 

Und was ist dann sexueller Missbrauch?

Im Strafgesetzbuch, in Prävention und Aufklärung wird häufig noch von sexuellem Missbrauch gesprochen. Unter anderem auch, weil dieser Begriff vielen Menschen geläufig ist.

Viele haben die Bezeichnung „sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen“ als verletzend erlebt. Da diese Formulierung Kinder und Jugendliche zum Objekt macht und damit suggeriert, dass es auch einen akzeptierten GEbrauch von Kindern und Jugendlichen geben könnte. Daher bevorzugen wir den Begriff „sexualisierte Gewalt“. 

Der Begriff „sexualisierte Gewalt“ macht deutlich, dass es sich bei der Handlung um eine Form der Gewaltausübung handelt.

 

Wie zeigt sich sexualisierte Gewalt?

Sexualisierte Gewalt kann sich ganz unterschiedlich zeigen. Sexualisierte Sprüche oder Andeutungen gehören ebenso dazu, wie das vermeintlich „aus Versehen“ an intimen Körperstellen Berühren bis hin zum Ausführen sexueller Handlungen. Auch wenn Erwachsene an sich selbst im Beisein von Kindern oder Jugendlichen sexuelle Handlungen vornehmen oder ihnen pornografische Inhalte zeigen, handelt es sich dabei um sexualisierte Gewalt.

Menschen, die sexualisierte Gewalt ausüben, nutzen ihre Macht, Autorität, das Vertrauen und die Abhängigkeit von Kindern/Jugendlichen aus, um ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen.

 

Weiterführende Informationsseiten finden Sie hier:

Die Unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen (UBSKM)

 

Wie viele sind betroffen?

Im Jahr 2024 ist die Anzahl der polizeilich registrierten Straftaten des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen nach jahrelangem Anstieg nahezu konstant geblieben. Mit 16.354 Fällen bei Kindern sowie 1.191 Fällen bei Jugendlichen bewegen sich die Zahlen aber weiterhin über dem Fünf-Jahres-Durchschnitt. Einen Höchstwert erreichte die Anzahl der Fälle von Herstellung, Verbreitung, Erwerb und Besitz jugendpornografischer Inhalte. [1][2]

Diese Zahlen stammen aus der bundesweiten polizeilichen Kriminalstatistik. Das bedeutet, dass es sich hierbei allein um die Fälle handelt, die zur Anzeige gebracht wurden. Das sogenannte „Hellfeld“.

Das Dunkelfeld, die Zahl der nicht polizeilich bekannten Fälle, ist weitaus größer. Dunkelfeldforschungen aus den vergangenen Jahren haben ergeben, dass etwa jede:r siebte bis achte Erwachsene in Deutschland sexuelle Gewalt in Kindheit und Jugend erlitten hat.

Schätzungen zufolge sind in jeder Schulklasse ein bis zwei Schüler*innen von sexualisierter Gewalt in der Familie oder in anderen Kontexten betroffen oder betroffen gewesen. [3]

 

Quelle

[1] Pressemitteilungen des Bundeskriminalamtes vom 21.08.2025:
Bundeslagebild zu Sexualdelikten gegen Kinder und Jugendliche

[2] Infografik zum Bundeslagebild Sexualdelikte zum Nachteil von Kindern und Jugendlichen 2024 

[3] Die Unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen (UBSKM):
Zahlen zu sexuellem Kindesmissbrauch in Deutschland

 

Weiterführende Informationsseiten finden Sie hier:

Bundeskriminalamt: Lagebericht 2024 (PDF)

  

Warum ist das Dunkelfeld so groß?

Das liegt u.a. daran, dass viele Kinder und Jugendliche Angst haben, sich jemandem anzuvertrauen. Häufig kommen die Tatpersonen aus dem familiären oder dem nahen außerfamiliären Umfeld.

Täter*innen schaffen es oft Betroffene zu isolieren, sie unglaubwürdig zu machen, ihnen glauben zu machen, dass sie selbst schuld seien. Dann kann es sich für sie unmöglich anfühlen, etwas zu sagen.

Betroffene haben oft Angst, dass ihnen nicht geglaubt wird oder sie Beziehungen „zerstören“, wenn sie etwas sagen.

Auch unser gesellschaftlicher Umgang mit Sexualität erschwert es Betroffenen, sich anzuvertrauen. Noch immer wird das Sprechen über Sexualität tabuisiert. Dies nutzen Täter*innen aus und es hilft ihnen dabei, den Geheimhaltungsdruck auf Kinder und Jugendliche zu erhöhen.

 

Weiterführende Informationsseiten finden Sie hier:

Die Unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen (UBSKM):
Zahlen zu sexuellem Kindesmissbrauch in Deutschland

 

Gibt es typische Anzeichen von sexualisierter Gewalt?

Eine Art „Missbrauchssyndrom“ gibt es nicht.

Sexualisierte Gewalt hinterlässt nur in wenigen Fällen eindeutig nachvollziehbare körperliche Spuren. Diese sind nur aussagekräftig, wenn sie unmittelbar medizinisch gesichtet und gesichert werden.[1]

Es gibt Gemütszustände und Verhaltensweisen von Kindern und Jugendlichen, die darauf hinweisen, dass es ihnen nicht gut geht. Diese können verschiedene Ursachen haben. Eine davon könnte auch das Erleben von sexualisierter Gewalt sein.

Wenn Kinder/Jugendliche den Eindruck erwecken, dass etwas nicht stimmt oder sie etwas bedrückt, sollten Erwachsene immer darauf reagieren und sich interessiert und offen für jedes Thema zeigen, egal um was es geht. Auch wenn junge Menschen das Gesprächsangebot nicht direkt nutzen ist es wichtig, dass diese ein aufrichtiges Interesse, eine Krisenfestigkeit und ein offenes Ohr wahrnehmen.

Bieten Sie Unterstützung an, ganz ohne Druck.  

Manche Kinder/ Jugendliche verändern sich auch gar nicht durch das Erleben sexualisierter Gewalt. Im Gegenteil: sie tun alles dafür, um nicht aufzufallen. Darum ist es wichtig, dass Kinder und Jugendliche mehrere Menschen in ihrem Leben haben, denen sie vertrauen, die sie ernst nehmen und die ihre Grenzen achten. Das schafft zumindest Möglichkeiten, dass sie sich irgendwann anvertrauen können.

 

Quellen:

[1] Opferambulanz der Rechtsmedizin am UKM 

 

Weiterführende Informationsseiten finden Sie hier:

Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs: 
Signale, Symptome und Folgen von sexuellem Missbrauch

 

Wer übt sexualisierte Gewalt gegenüber Kindern/Jugendlichen aus?

Meist handelt es sich um Personen, die das Kind/den jungen Menschen gut kennt. Vertraute Bezugspersonen aus dem familiären oder sozialen Umfeld. Sexualisierte Gewalt wird größtenteils von männlichen Erwachsenen oder Jugendlichen verübt; zu einem geringen Anteil auch von Frauen und Mädchen. Dabei wird sexualisierte Gewalt durch Frauen oft nicht als solche erkannt.

 

Weiterführende Informationsseiten finden Sie hier:

Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs:
Wer sind die Täter und Täterinnen?

 

Sexuelle Grenzverletzungen durch Kinder/Jugendliche?

Bei sexuell grenzverletzendem Verhalten durch Minderjährige sollte zwischen Kindern (ca. unter 12 Jahren) und Jugendlichen (ca. 12-17 Jahren) unterschieden werden.

Sexualisierte Grenzverletzungen durch Kinder

Bei Kindern ist zwischen Körpererkundung/Körperentdeckung und sexualisierten Grenzverletzungen zu unterscheiden.

Ab einem Alter von ca. 3 Jahren gehört das gegenseitige Anschauen und Betasten des Körpers und damit auch der Genitalien unter etwa gleichaltrigen Kindern zum altersangemessenen Verhalten der Körperentdeckung im spontanen spielerischen Kontakt. Körpererkundung – auch ggf. in der Interaktion mit anderen Kindern – ist Teil der kindlichen Entwicklung. Ab dem ca. 5. Lebensjahr – aber je nach Entwicklung – lässt das Interesse daran tendenziell nach.

Sexualisierte Grenzverletzungen sind dadurch gekennzeichnet, dass es eine Art Machtgefälle gibt (z. B. durch Alters- oder Entwicklungsgefälle, soziale Stellung, körperliche, sprachliche, geistige Unterlegenheit) und/oder Drohungen, Überreden, Zwang, Belohnungen eingesetzt werden. Dies unterscheidet Grenzverletzungen von einem einvernehmlich spielerisch unbefangenen Miteinander.

Wenn Erwachsene Kindern nach Grenzverletzungen Orientierung geben und sich das Verhalten nicht verändert, sollte eine spezialisierte Fachberatung hinzugezogen werden.

 

Sexualisierte Grenzverletzungen durch Jugendliche

Grundsätzlich unterscheidet man bei Jugendlichen zwischen Grenzverletzungen durch etwa Gleichaltrige (Peers) und sexuellen Grenzverletzungen von Jugendlichen gegenüber Kindern.

Sexuelle Handlungen von Jugendlichen gegenüber Kindern sind immer eine Grenzverletzung, da ein Alters- und Entwicklungsmachtgefälle besteht und dadurch Einvernehmlichkeit unmöglich ist.

Im Jugendalter geht es zunehmend darum gemeinsame Sexualität zu entdecken. Eine der Entwicklungsaufgaben besteht darin sich über das Annähern, Ausprobieren und Entdecken zu verständigen und dabei immer im gegenseitigen Einverständnis zu bleiben. Dies gilt auch für den digitalen Raum, z.B. wenn es um Chats und Medien geht.

Sexualisierte Grenzverletzungen gegenüber etwa Gleichaltrigen (Peers) sind gekennzeichnet durch das Übergehen oder Ignorieren der fehlenden Zustimmung oder Zustimmungsmöglichkeit und/oder dem Einsatz von Druck, Zwang, Drohung, Erpressung. 

 

Orientierung durch Erwachsene

Wenn Kinder oder Jugendliche sich sexuell grenzverletzend verhalten ist es wichtig, dass Erwachsene schützend eingreifen und Orientierung geben. Betroffene Kinder/Jugendliche brauchen Schutz und Unterstützung. Ebenso brauchen übergriffig agierende Kinder/Jugendliche klare Reaktionen und Hilfeangebote.  Wichtig ist, dass Erwachsene handeln und dabei weder verharmlosen noch dramatisieren und eine klare Orientierung zur Grenzachtung geben.

Lassen Sie sich fachlich beraten, um auf die Situation und das Verhalten angemessen und hilfreich reagieren zu können. (https://www.caritas-ahlen.de/beratung-hilfe/fachstelleschutz/grenzbewusst/grenzbewusst)

Weiterführende Informationsseiten finden Sie hier:

Unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen (UBSKM):
Sexuelle Übergriffe unter Kindern und Jugendlichen

Fachvorträge des Projektes Sina & Tim, Zartbitter e.V. Köln

 

Was ist digitalisierte sexualisierte Gewalt?

Darunter werden übergriffig sexualisierte Handlungen in der digitalen Welt verstanden.  Dazu gehören zum Beispiel:

  • Wenn sexualisierte Beleidigungen, Bedrohungen oder Nötigungen über digitale Kanäle erfolgen.
  • Wenn sich Menschen Kindern in Chats nähern und die Kommunikation sexualisieren: sie fragen Kinder/Jugendliche nach sexuellen Erfahrungen, ihrem Körper oder sprechen von eigenen sexuellen Vorstellungen.
  • Wenn Nacktbilder oder Videoaufnahmen eingefordert werden oder Nacktbilder (z.B. Dic-Picks/Penisbilder) ohne Einwilligung (Einwilligung frühestens ab 14 Jahren möglich) gesendet werden.
  • Wenn Kinder/Jugendliche im Live-Stream zu sexuellen Handlungen oder zum Zeigen von sexuellen Handlungen angeleitet werden.
  • Wenn Aufnahmen sexualisierter Gewalt an Kindern oder Jugendlichen hergestellt und geteilt werden.

Digitalisierte Gewalt kann von bekannten oder fremden Personen ausgehen. Diese stellen online Kontakt her und machen sich zunächst „vertraut“. Kinder und Jugendliche sind häufig von digitalisierter sexualisierter Gewalt betroffen, da sie dieses Medium häufig nutzen und für Täter*innen leicht erreichbar sind.

Ebenso wird digitalisierte sexualisierte Gewalt häufig von Minderjährigen verübt.

 

Weiterführende Informationsseiten finden Sie hier:

Die Unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen (UBSKM):
Sexuelle Gewalt im Internet
 

Die Unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen (UBSKM):
Zahlen zu sexuellem Kindesmissbrauch in Deutschland
(PDF)

Klicksafe:
Cybergrooming - Hilfe bei sexueller Belästigung von Kindern

 

Und ganz wichtig:

Wenn Eltern oder Bezugspersonen sich Sorgen um Kinder/Jugendliche machen, sollten sie damit nicht alleine bleiben.

Dafür gibt es professionelle Unterstützung im Kreis Warendorf. 

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